Die Stiftskammer in der Petrikapelle

Die romanische Petrikapelle steht unmittelbar neben der Stiftskirche im Warendorfer Ortsteil Freckenhorst. In ihr befindet sich seit einigen Jahren ein kleines Museum, die so genannte Stiftskammer. Hier werden die wertvollsten Schätze aus einer jahrhundertealten Kloster- und Stiftsgeschichte ausgestellt: Kunstwerke aus der Stiftszeit (u.a. Silberschmiedearbeiten, liturgische Bücher, das Hungertuch von 1628, Messgewänder, Stab des HL. Bonifatius u.ä.). Die Schatzkammer wurde 2001 (im Jubiläumsjahr) durch Ingrid Bussenius (Innenarchitektin aus Köln) eingerichtet. Im September 2010 wurde außerdem ein begehbares Depot mit den Kunstschätzen der Kirchengemeinde im Kreuzgang eingeweiht.

 

Öffnungszeiten: Die Stiftskammer ist in der Petrikapelle in den Sommermonaten von April bis Oktober Sonntags von 11.30 – 12.30 Uhr und von 15.00 – 16.00 Uhr geöffnet. Einzel- und Gruppenführungen sind jederzeit nach Anmeldung im Pfarrbüro möglich.

 

Ein Nachmittag in der Stiftskammer

Ein Museumsbesuch in der Stiftskammer Freckenhorst im Sommer? Warum nicht? Bei Sonnenschein empfängt den Besucher angenehme Kühle, bei Regen schützt ihn ein festes Dach. Und vor allem: Wenn er die Bronzetür mit dem schönen Knauf, dem von Heinz Georg Bücker geschaffenen, unter einer Narrenkappe lachenden Gesicht, aufdrückt, tritt er in eine Wunderwelt ein.

„Kostbarkeiten aus 1000 Jahren“,  so bezeichnet der seit 2015 vorliegende Katalog zu Recht das, was in dieser vor der mächtigen Stiftskirche  etwas hingeduckten  Petrikapelle  auf den Besucher wartet. Das älteste Objekt ist eine mehrfach von Kunsthistorikern analysierte Pergamenthandschrift mit den vier Evangelientexten aus dem Ende des 10. Jahrhunderts.  Sie trägt nach einem lateinischen Widmungsgedicht den Namen der Auftraggeberin, Evangeliar der Emma, und ist mit den Bildern der schreibenden Evangelisten und wunderschön verzierten Anfangsbuchstaben, so genannten Schmuckinitialen, versehen.

Darüber blicken uns aus einer kleinen Wandvitrine zwei Löwenköpfe aus Bronze an. In ihren Mäulern tragen sie Ringe, die unschwer erkennen lassen, dass es sich um „Löwenkopf-Türringe“ handelt, mit denen man das Portal der Stiftskirche öffnen konnte, nicht etwa das der gegenwärtigen Stiftskirche, die 1129 geweiht wurde, sondern das des Vorgängerbaus. Solche Türringe mit  Löwen als Abwehrsymbolen des Bösen kennt man  aus großen romanischen Domen, etwa in Hildesheim oder Mainz, aber es gab sie eben auch in Freckenhorst, und sie künden damit von der frühen Bedeutung der Stiftskirche.  Was sie besonders wertvoll machen, sind die eingravierten lateinischen Verse. Sie lauten in deutscher Übersetzung: „Jesus Christus, König der Könige, lasse das gläubige Volk, das zum Gebet diese Pforten durchschreitet, in das Himmelreich eingehen.“ Eine Bitte und ein Segensspruch zugleich, der Christus als Weltenherrscher  benennt und die burghafte Kirche, in die die Menschen aus ihren niedrigen Hütten eintraten, als einen Vorhof des Himmels erleben ließ.

 Gleich neben dem Eingang  übersieht man leicht eine ebenfalls kleine Wandvitrine mit einem fragmentarischen Sandsteinkopf. Erst bei näherem Hinschauen entdeckt man, dass er mit einer fein ziselierten Bügelkrone geschmückt ist. Forschungen zu diesem mehrfach in großen Ausstellungen zur Kunst und Geschichte des Mittelalters ausgestellten Objekt haben ergeben, dass es sich um den Königskopf des späteren Kaisers Lothar III von Süpplingenburg (1075-1137)handelt. Lothar III.  war eng mit dem Landesherrn, dem Bischof Egbert von Münster (1127-32) verbunden. Sein steinernes Antlitz  diente wohl als Wandvorlage an einer herausgehobenen Stelle der Freckenhorster Kirche und vertrat „in effigie“, im Bild, den abwesenden Kaiser als Schutzherrn des Glaubens und der Kirche.

 Gold und Silber, vasa sacra, heilige Gefäße, leuchten uns aus mehreren anderen Vitrinen in der Stiftskammer entgegen. Sie alle haben nicht nur kunstgeschichtlich einen hohen Wert, sie sind auch Zeugnisse des Glaubens und der Gottesverehrung vergangener Jahrhunderte, und darüber hinaus könnte jeder Gegenstand eine eigene Geschichte erzählen. Mehrfach begegnet uns der Heilige Bonifatius, der Schutzherr von Kirche und Stift Freckenhorst. Am glanzvollsten in einer großen Vitrine an der Stirnseite der Kapelle als eine vollplastische Silberbüste, gestiftet 1692 von der Stiftsdame Anna Catharina von Neheim. Nicht so auffällig, aber aus einer gleichwohl bemerkenswerten Geschichte hervorgegangen, grüßt der vor einer Rundbogennische stehende Bonifatius in bischöflichen Gewändern aus einer Vitrine auf einem  in unseren Gegenden sehr seltenen Fahnengemälde. Um die goldfarbene Rahmung herum sieht man noch die grob herausgeschnittene rote Seide des Fahnentuches. Welche Geschichte steckt dahinter? Im Jahre 1851 wurde in Freckenhorst  das 1000jährige Bestehen des Klosters und Stiftes gefeiert. Wohl aus diesem Anlass ließ der damalige Dechant Schulte zwei große Prozessionsfahnen mit in der Mitte auf Leinen aufgemalten Ölbildern mit Motiven der Gründungsgeschichte Freckenhorsts anschaffen, so wie man sie im Alpenraum in fast allen Kirchen kennt und bei Prozessionen mitführt. Waren sie zu groß, wußte man später nicht, wo man sie während des Kirchenjahres abstellen sollte? Wir wissen es nicht. Jedenfalls wurden sie eines Tages rücksichtslos aus den seidenen Fahnentüchern herausgeschnitten und verschwanden zusammengerollt in einer Schublade. Daraus befreite sie der Förderkreis Stiftskammer 2001, ließ sie restaurieren und sorgte dafür, dass sie in der Stiftskammer wieder zu sehen sind. 

Man merkt, dass man interessante Sommerstunden im Museum Stiftskammer in der Petrikaelle Freckenhorst verbringen kann. Der große Katalog ist im Gemeindebüro und in einschlägigen Fachgeschäften erhältlich. Besucher sind nicht nur zur regelmäßigen Öffnungszeit an Sonntagnachmittagen willkommen. Nach Anmeldung im Pfarrbüro steht ihnen auch ein Mitglied des Förderkreises zu Einzelführungen zur Verfügung.

Klaus Gruhn 

Neuer Vorstand des Förderkreises Stiftskammer

v.l.: Jürgen Zika, Erwin Kastner, Marie-Theres Kastner, Burkhard Kraß, Gerda Niehoff, Franz-Josef Webbeler und Dr. Michael Paulitsch

Nach 16 Jahren verabschiedete sich Klaus Gruhn jetzt aus dem Amt des Vorsitzenden des Förderkreises Stiftskammer in unserer Gemeinde. Im Rahmen einer Mitgliederversammlung stellte er sich nicht mehr zur Wahl. Er erinnerte an die Einrichtung der Stiftskammer als kleines Museum in der Petrikapelle 2001 und den Umbau des Depots im Kreuzgang. Dort werden seit 2010 historische Gegenstände der Stiftsgeschichte und der Kirchengemeinde sicher eingelagert.

Bevor Klaus Gruhn jedoch in den Förderkreis-Ruhestand treten durfte wurde er mit Dank und Lob für seine Arbeit geehrt. Die Vorstandsmitglieder ernannten ihn unter dem Applaus der anwesenden Mitglieder zum Ehrenmitglied. Für die Kirchengemeinde überreichte August Finkenbrink ein kleines Präsent und lobte den unschätzbaren Sachverstand Gruhns: „Die Kirchengemeinde hat sehr davon profitiert.“ Durch die sach- und fachgerechte Aufbewahrung könnten Kunstgegenstände und Schriften erhalten werden, die sonst vielleicht verlohren gegangen wären. Der ehemalige Freckenhorster Pfarrer Walter Schüller, der im Jahr 2000 den Förderkreis mit initiierte, erinnerte an die Gründung des Vereins und bezeichnete die Arbeit Gruhns als „unvergleichlich und unbezahlbar“.

Zur neuen Vorsitzenden wurde Marie-Theres Kastner durch die Versammlung gewählt. „Ich glaube, dass das, was hier bewahrt wird, das Gut unserer Vorfahren ist, das es zu bewahren gilt“, begründete die neue Vorsitzende ihre Motivation, das Amt zu übernehmen. Glauben könne an kommende Generationen nur weiter gegeben werden, wenn man wisse, worauf man stehe, so Kastner.

Den weiteren Vorstand des Förderkreises bilden der stellvertretende Vorsitzende, Burkhard Kraß, die Kassiererin Gerda Niehoff, der Schriftführer Jürgen Zika sowie die Beisitzer Dr. Michael Paulitsch, Franz-Josef Webbeler und Erwin Kastner.

 

Katalog der Stiftskammer

Am 04. Dezember 2015 konnte erstmals ein umfangreicher Katalog über die Ausstellungsstücke in der Stiftskammer vorgestellt werden.

Hier finden Sie nähere Informationen dazu.

Die heilige Thiatildis als Vorbildfigur für den Glauben

Thiatildis war um 850 die erste Äbtissin des Klosters. Da sie im Rufe besonderer Mildtätigkeit stand, gab es Jahrhunderte hindurch an ihrem Namenstag auch eine Armenspeisung. Darauf ist die heutige Einladung zum deftigen Winteressen zurückzuführen, leider nicht mehr kostenfrei, wie in früheren Zeiten.

Eine der schönen Traditionen in der alten Stiftsstadt Freckenhorst hält der Heimatverein wach. Er lädt jährlich am Fest der heiligen Thiatildis, dem 30. Januar, zum Grünkohlessen ein und zeichnet dabei verdiente Bürgerinnen und Bürger aus. Vorher begibt man sich zur Festmesse in die Stiftskirche, denn Thiatildis war um 850 die erste Äbtissin des Klosters. Da sie im Rufe besonderer Mildtätigkeit stand, gab es Jahrhunderte hindurch an ihrem Namenstag auch eine Armenspeisung. Darauf ist die heutige Einladung zum deftigen Winteressen zurückzuführen, leider nicht mehr kostenfrei, wie in früheren Zeiten.

Thiatildis ist aber nicht nur auf diese Weise in Freckenhorst präsent geblieben. Der Silberschrein in der Kirche, in dem ihre Gebeine bestattet sind, ist das sichtbarste Zeichen ihrer Zeiten übergreifenden Gegenwart.

Das versteckteste Zeichen findet man jedoch in dem Museum Stiftskammer in der Petrikapelle. Dieser edle, kleine Raum birgt Gold- und Silberschätze aus vielen Jahrhunderten. Eines der wertvollsten sakralen Objekte dort   ist eine Monstranz aus vergoldetem Silber, 1681 in Köln gefertigt, eine Schenkung der seinerzeitigen Seniorin des Stiftes, Anna von Wrede.

„Monstranzen“ sind Zeigegeräte, in die eine geweihte Hostie zur Anbetung platziert wurde und wird. Der gläubige Katholik verehrt darin den gegenwärtigen Christus. Weil die Hostie für ihn das heiligste Gut ist, wurden die Monstranzen stets besonders schmuckreich und mit wertvollsten Materialien gestaltet. Das ist auch bei der Freckenhorster Monstranz so. Sie ist wie ein barocker Flügelaltar aufgebaut, in dessen Mitte sich eine kreisförmige, mit Brillanten besetzte Halterung für die Hostie befindet. Zwischen je zwei seitlichen Säulchen aber stehen zwei, kaum fünf Zentimeter große Figuren, links der heilige Bonifatius, rechts, an einem Kreuz erkennbar, zu dem sie emporblickt, die heilige Thiatildis.

Damit ist ein tiefer Sinn in dem Bildaufbau erkennbar. Ganz nah bei dem in der Hostie präsenten Christus stehen anbetend Bonifatius, der Patron der Freckenhorster Kirche, und Thiatildis, die erste Vorsteherin des Klosters. So wie sie Christus bezeugt und verehrt haben, sollen das auch alle die tun, zu denen die Monstranz bei Prozessionen getragen oder in der Kirche gezeigt wird.

Die heilige Thiatildis als Vorbildfigur für den Glauben, ganz versteckt, aber im Gold erstrahlend. Sie lädt auch ein, einmal wieder die „Stiftskammer“ zu besuchen.

Klaus Gruhn

Vorbild Peter Paul Rubens (1577-1640): Die Anbetung der Könige

Der flämische Maler Peter Paul Rubens schuf im 17. Jahrhundert  ein gewaltiges Werk barocker Gemälde. Aus Antwerpen, wo er seine Hauptwerkstatt hatte, wurden seine Kunstwerke nach ganz Europa verschickt.

Wie viele der Malerkollegen seiner Zeit sorgte Rubens auch für die druckgrafische Verbreitung seiner Werke.  Unter seiner Aufsicht arbeiteten bedeutende Kupferstecher, die aus den Vorlagen der Werke von Rubens eigenständige Kunstwerke schufen. Meisterhaft gelang es den Stechern und Druckern, im spröden Metier  der Schwarz-Weiß Umsetzung, die Tiefe. Plastizität und das Licht- und Farbenspiel der Gemäldevorlagen wiederzugeben.  So entstand Kunst aus Kunst. Die Schwarz-Weiß Grafiken verbreiteten sich in beträchtlicher Zahl und gaben in der europäischen Welt Zeugnis von der Malkunst des Meisters Rubens. Die Rubensgrafiken wurden so auch zum Vorbild für zeitgenössische malerische Werke schufen.

Das mit Mitteln des Förderkreis Stiftskammer restaurierte Gemälde aus dem Besitz der Gemeinde S. Bonifatius, das für kurze Zeit im Museum Stiftskammer in der Petrikapelle ausgestellt wird, ist dieser Vorbildtradition zuzuordnen.

Das Freckenhorster Gemälde ist ein „Weihnachtsbild“. Es zeigt die Anbetung des Christkindes durch die heiligen drei Könige. 

Das Bild bezieht sich deutlich auf einen Kupferstich, der auf 1620 datiert ist, von dem Kupferstecher Lucas Vorstermann (1595-1675) stammt und von Rubens herausgegeben wurde. Der Maler offenbart sich uns mit seinen Initialen GdL am unteren Bildrand. Er brachte die Kupferstichvorlage auf seiner Leinwand nicht nur in Farbe, sondern auch in ein Querformat. Zudem vergrößerte er die Kupferstichvorlage fast auf das Doppelte (Stich 60 cm x 45 cm/ Gemälde 96 cm x 67 cm).

Das Originalgemälde von Peter Paul Rubens, das die Grundlage dieser Darstellung bildet, befindet sich in der Sint Janskerk in Mechelen. Der Künstler unseres Gemäldes hat es wahrscheinlich nie gesehen. Er wählte für sein Gemälde eine zartere Farbtonpalette, die bei kunstgeschichtlicher Betrachtungsweise auf das 18. Jahrhundert als Entstehungszeit verweist.

Auch die barocke Dramatik der Komposition im Stich, in der Vorlage also, ist einer freundlicheren Gestaltung gewichen. Josef tritt neugierig an das Geschehen heran. Das personenreiche Gefolge der Könige, das sich im Stich ungläubig mit Fackeln von hinten herandrängt, ist in unserem Gemälde auf wenige Personen reduziert. Der Maler hat auch das Christkind aus der Enge der Herandrängenden in der Stichvorlage weiter von den Königen in einen Freiraum entfernt. Es streckt nun seinen Arm zu einem schönen Segensgestus aus. Das Licht ist auf das Gesamtgemälde verteilt und die Architekturdetails sind großzügig gegenüber der Vorlage verändert und dem breiteren Gemäldeformat angepasst.

Der Künstler, der das Freckenhorster Gemälde schuf, hat also keine Kopie des Kupferstiches oder des Originals von Rubens erstellt, sondern die „Anbetung der Könige“ im Geschmack seiner Zeit, des Rokoko, interpretiert.                                                                                                              Klaus Gruhn         

Jahreshauptverssammlung des Förderkreises Stiftskammer

Der Vorsitzende des „Förderkreis Stiftskammer“, Klaus Gruhn, hatte zur Jahreshauptversammlung in das Pfarrheim St. Bonifatius eingeladen. Unter einem Bleiglasfenster mit dem Motiv des Hl. Bonifatius im Eingangsbereich konnte er die Mitglieder begrüßen und gleichzeitig dessen Herkunft aus der abgebrochenen Ludgeruskirche in Ennigerloh erklären.

Da keine Neuwahlen anstanden, war dies der Beginn eines Tätigkeitsberichtes, der zahlreiche Einzelaktivitäten benannte. Ein kleines, mit Perlmutt belegtes Andachtskreuz des 17. Jahrhunderts aus dem Besitz des aus Freckenhorst stammenden Abtes Ansgar Höckelmann konnte durch Vermittlung von Paul Schlöpker gesichert und den Schätzen der Stiftskammer zugefügt werden. Ein Doppelbildnis in Öl mit der Hl. Thiatildis und der Gottesmutter im Strahlenkranz wurde aus Mitteln des Förderkreises restauriert.

Von der Kapellengemeinschaft Flintrup wurden wertvolle Sakralgegenstände dem Förderkreis als Dauerleihgabe zur Pflege und zum Schutz überstellt und ins Depot übernommen.

Als Band I einer Schriftenreihe des Förderkreises erschien die wissenschaftliche Untersuchung des von den Anwesenden freudig begrüßten Altdechanten Walter Schüller „Der Freckenhorster Taufstein. Meisterwerk und Glaubenszeugnis der Romanik.“

Die wichtigste Aufgabe des Jahres bestand jedoch in der Suche nach Sponsoren für die geplante Herausgabe eines angemessenen Kataloges für die Stiftskammer, stellt sie doch den bedeutendsten Bestand kirchlicher Kunst im gesamten Münsterland – mit Ausnahme der Domschatzkammer. Die Kulturstiftung der Sparkasse Münsterland Ost, die Kulturstiftung des Landschaftsverbandes und das Bistum haben für die Anschubfinanzierung gesorgt, die die Realisierung des Kataloges nun ermöglicht. Mit der Zustimmung der Versammlung können die konkreten Vorarbeiten für die Drucklegung beginnen. Schließlich machen es die Zuwendungen von Freunden aus Anlass des Todes eines Mitgliedes des Förderkreises, des Kreisdirektors a. D. Heinrich Kemper, möglich, die Restaurierung einer großen, stark beschädigten Zinntafel mit dem Bildnis der Hl. Thiatildis in Auftrag zu geben.

Wieder einmal wurde deutlich, wie viele Aufgaben auf den Förderkreis der Stiftskammer warten. Deutlich wurde auch, dass fortlaufend neue Mitglieder gewonnen werden müssen. Das soll auch durch Werbung geschehen, wie sie durch die indirekt zweimal jährlich stattfindenden Kammerkonzerte in der Petrikapelle erfolgt. Sie und Zeitungsberichte machen auf eine Institution aufmerksam, auf die die Stadt Warendorf durchaus stolz sein darf.

 

Text: Klaus Gruhn
Foto: Erich Poppenborg

Kunstwerk hat ein neues Zuhause

Freckenhorst - Ein etwa 40 Kilogramm schweres Bleiglasbild der bedeutenden Glasmalerin und Mosaizistin Schwester Ehrenfried Trost haben gestern Mittag mit vereinten Kräften Restaurator Thomas Höckesfeld, Malermeister Burkhard Krass, Pfarrdechant Manfred Krampe und Klaus Gruhn, Vorsitzender des Fördervereins Stiftskammer, im Foyer des Pfarrheims St. Bonifatius installiert. Das Bleiglasbild, das den Heiligen Bonifatius zeigt, stammt aus der 2013 abgebrochenen Kirche St. Ludgerus in Ennigerloh. Dort war es Teil eines Lichtbandes aus 40 Heiligenbildern, die die Künstlerin 1959 geschaffen hatte.

 

Das Gros dieser Bilder lagert nun im Depot der Stiftung Forschungsstelle für Glasmalerei des 20. Jahrhunderts in Mönchengladbach. Das Motiv des Heiligen Paulus hatte die evangelische Kirche in Ennigerloh übernommen. Dem Ennigerloher Goldschmied Hermann Lütke ist es zu verdanken, dass das Bonifatiusbild nun im Freckenhorster Pfarrheim ein neues Zuhause gefunden hat. Das langjährige Mitglied des Kirchenvorstandes von St. Ludgerus, habe ihm das Bild angeboten, erzählte gestern Klaus Gruhn. Er habe die Angelegenheit dann mit dem Kunstausschuss des Pfarreirates und mit Dechant Manfred Krampe besprochen.

Gemeinsam habe man beschlossen, das Bleiglasbild im bislang schmucklosen Eingangsbereich des Pfarrheims anzubringen. Zuvor allerdings musste Malermeister Burkhard Krass das Kunstwerk, das doch ein wenig in die Jahre gekommen war, reinigen und ausbessern. Restaurator Thomas Höckesfeld setzte das filigrane Bleiglasbild in einen Rahmen und schuf eine raffinierte Aufhängevorrichtung, die bis zu 90 Kilo trägt und es überdies erlaubt, das Bild von rechts nach links zu verschieben, wenn die Fenster des Pfarrheims geputzt werden müssen.

 

Von Joke Brocke, WN

Ein ungewöhnliches Andachtskreuz in der Stiftskammer Freckenhorst

Vielfältig sind die Frömmigkeitsformen, die sich im Laufe der Jahrhunderte in der Christenheit insbesondere zur Vorbereitung auf die kirchlichen Hochfeste entwickelt haben. Die am Aschermittwoch beginnende sechswöchige Fastenzeit bis Ostern sollte zu vertiefendem Nachsinnen über den Leidensweg Christi führen. Dazu trugen Kreuzwegandachten, aber auch private Kreuzbetrachtungen bei.

 

Unter den Schätzen des Museums Stiftskammer in der Petrikapelle Freckenhorst befindet sich ein ungewöhnliches Standkreuz, das in diesem Zusammenhang unsere Aufmerksamkeit verdient. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus Eichenholz geschaffen, ragt es über einem für die Barockzeit typischen Volutensockel fast einen Meter hoch auf. Es trägt keinen Christuskorpus, stattdessen ist die Vorderseite vollständig mit Perlmuttblättchen besetzt, ein durchaus symbolisch zu verstehender Schmuck, durch den das Kreuz zeichenhaft als von höchstem Wert für unsere Erlösung erscheint.

 

Bei genauerem Hinsehen erkennt man in den Perlmutt eingeritzte figürliche Darstellungen an den volutenförmig ornamentierten Kreuzarmen. Es sind dies die Figuren der Evangelisten, über die wir Kunde vom Leiden und Tod Christi erhielten. Besonders herausgehoben kniet im Kreuzsockel der Hl. Franziskus, möglicherweise ein Hinweis darauf, dass das Kreuz nicht für das Freckenhorster Stift, sondern für einen Franziskanerkonvent angefertigt wurde. Im unteren Kreuzarm ist schließlich noch die mit einem Schwert als Zeichen des Schmerzes durchbohrte Gottesmutter abgebildet, und statt des Korpus sehen wir in der Mitte der Kreuzesarme stellvertretend für Christus selbst eine Dornenkrone. Die Botschaft ist klar: Der vor dem Kreuz Betende soll sich wie die Vorbildfiguren dem leidenden Christus zuwenden.

 

Das Kreuz hält noch eine weitere Besonderheit bereit. In den Kreuzarmen befinden sich 14 runde "oculi", kleine augenförmige Öffnungen. Sie sind mit den rot eingefärbten römischen Zahlen 1 -14 und dem lateinischen Wort "sta(tio)", Station, bezeichnet. Der Beter konnte also vor diesem Kreuz eine private Andacht mit den traditionellen 14 Kreuzwegstationen

verrichten. Dabei waren die "oculi" dazu gedacht, ein kleines Holzstäbchen aufzunehmen, das der Beter gewissermaßen bei der Ankunft an der jeweiligen Station für die Dauer seiner Betrachtung in die Öffnung einsteckte und das ihm half, die Ordnung des Weges vom Anfang bis zum Ende genau einzuhalten.

 

Bei Besuchen in der Stiftskammer Freckenhorst, aber auch in den Kirchen unserer Städte und Dörfer kann man immer wieder darüber staunen, wie viele Botschaften der reiche Schatz an Andachtsbildern für uns bereithält.

 

Klaus Gruhn

 

 

 

Das Evangeliar der Emma

Dass die Stiftskammer in der Petrikapelle in Freckenhorst nach der Domschatzkammer in Münster die bedeutendsten sakralen Schätze im Münsterland aufbewahrt, ist allgemein bekannt. Eine besondere Kostbarkeit darunter ist das „Evangeliar der Emma“. Geschrieben im 10. Jahrhundert, also vor über tausend Jahren, ist es zugleich die älteste Handschrift in Freckenhorster Besitz. Das Buch enthält die Texte der vier Evangelien und bekam seinen Namen von einem lateinischen Widmungsgedicht auf der ersten Seite, in der eine Nonne „Emma“ als Auftraggeberin genannt wird.

Schon dadurch, dass Bücher in früher Zeit auf Pergament handgeschrieben waren, besaßen sie einen hohen Wert. Für die Christen waren die heiligen Schriften der Bibel das anschaulich gewordene Wort Gottes, so dass in sie zusätzlich Schmuckblätter und später wertvolle Kupferstiche eingefügt wurden. Solche Schmuckblätter gibt es auch im „Evangeliar der Emma“.

Zu Weihnachten kann man den berühmten, von tiefer theologischer Bedeutsamkeit gekennzeichneten Beginn des Johannesevangeliums aufschlagen, dessen lateinische Fassung mit den Worten „In principio erat verbum“ - „Im Anfang war das Wort“ beginnt und mit der weihnachtlichen Verkündigung endet „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Ebenso wie der Evangelist Lukas ist auch der schreibend an einem Pult sitzende Johannes ganzseitig dargestellt.

Die sogenannte Initiale, seines Berichtes, der erste Buchstabe also, erscheint als „I“ mit reichen Randverzierungen über die ganze Länge der Seite gezogen. Der Text folgt dieser „Schmuckinitiale“ in der bis heute gut lesbaren Schriftform der Großbuchstaben der römischen Antiqua, die ja noch dem Druckbild unserer Bücher entspricht.

Wenn wir uns in die Aussagen des Weihnachtsevangeliums nach Johannes vertiefen, befinden wir uns in interessanter Gesellschaft. Goethe lässt in seinem Faustdrama den Gelehrten Faust genau diesen Text aufschlagen und nach der Bedeutung von verbum - Wort fragen. Faust erkennt, dass die griechische Entsprechung „logos“ für „verbum“ erst zur Kernaussage führt. Die Bedeutung des griechischen „logos“ ist nämlich umfassender und sieht im „Wort“ Vernunftkraft und Geist enthalten. Allerdings entscheidet sich Faust fälschlich für die Übersetzung „Tat“, um die eigene Rastlosigkeit zu rechtfertigen. Wir sollten es beim Blick auf das Freckenhorster Evangeliar zu Weihnachten jedoch bei der Vorstellung belassen, dass Geist und Vernunftkraft Gottes in der Christgeburt „Fleisch“, also menschliche Wirklichkeit und Anschaulichkeit geworden ist.

Von Klaus Gruhn

 

 

Konzert in der Stiftskammer

Abschlusskonzert der Sommersaison

Schätze der Musik und der Stiftskammer präsentiert

Freckenhorst (bjo). „Die Sommersaison ist gut verlaufen“, freute sich Jürgen Zika am Samstagabend im Vorfeld des Solistenkonzertes in der Stiftskammer über rund 800 Besucher, die die Ausstellung mit Schätzen aus Stifts- und Kirchengeschichte in diesem Sommer besucht hatten.

Eine Zahl, in der einige hundert Besucher, die der Stiftskammer während des Kunstmarkts zum Krüßingfest eine Stippvisite abgestattet hatten, nicht enthalten sind. „Viele unserer Gäste kommen als Gruppen und besuchen neben der Stiftskammer auch die Pfarrkirche St. Bonifatius“, weiß Zika. Solche Besuche seien nach Vereinbarung auch im Winter möglich. Für Einzelbesucher, die im Sommer zum Beispiel per Rad vorbeikommen, bleibt die Stiftskammer mit dem Ende der Sommersaison nach dem kommenden Wochenende geschlossen.

Es ist schon gute Tradition, dass das nahende Saisonende musikalisch gestaltet wird. Zum mittlerweile elften Solistenkonzert hatte der Förderkreis Stiftskammer am Samstag eingeladen. Gestaltet wurde das Konzert dieses Mal durch Stiftskantor Martin Geiselhart am Klavier und die Violinistin Ursula Stockhausen-Stockhorst. „Es ist ein Glücksfall, dass wir heute mit Ursula Stockhausen-Stockhorst eine weit über die Grenzen der Region bekannte Violinistin begrüßen können“, stellte Fördervereins-Vorsitzender Klaus Gruhn die Musikerin vor und dankte dem Stiftskantor Martin Geiselhart für die Knüpfung des Kontaktes zu Stockhausen-Stockhorst sowie die Bereitschaft, das Konzert am Klavier zu begleiten.

Zu Gehör gebracht wurden neben der Sonate E-Dur von Johann-Sebastian Bach (BWV 1016) Werke von Gabriel Fauré, Josef Gabriel Rheinberger und Max Reger. Und natürlich blieb auch Zeit für die in der Stiftskammer ausgestellte Kunst. Ausführlich informierte Klaus Gruhn über zwei Monstranzen – darunter eine um 1500 entstandene Turmmonstranz aus vergoldetem Kupfer, die bei einer 1855 von Dechant Schulte in Auftrag gegebenen Restaurierung um die Figuren von Bonifatius und Thiatildis ergänzt worden waren.

Eine gute Tradition ist es auch, dass die letzten regulären Öffnungstage der Stiftskammer in jedem Jahr die beiden Wochenendtage des Freckenhorster Herbstes sind. „Das wollen wir auch in diesem Jahr so halten“, blickt Fördervereinsvorsitzender Klaus Gruhn voraus. Neben Trödelmarkt und Zeltveranstaltungen locken also am kommenden Wochenende, 12. und 13. Oktober, auch die in der Stiftskammer ausgestellten Kunstschätze aus der Geschichte des Stifts Freckenhorst und der Pfarrkirche St. Bonifatius in die Stiftsstadt. (aus: "Die Glocke")

 

 

Kunstschätze in der Pause

Herbstliches Kammerkonzert: Stockhausen-Stockhorst begeistert Publikum

- mby - Freckenhorst Die markantesten Sehenswürdigkeiten der Stiftsstadt sind zweifelsfrei die St. Bonifatius-Kirche, das Freckenhorster Kreuz und die kostbaren sakralen Schätze im Museum der Petrikapelle, der Stiftskammer. Am Samstag bot der Förderkreis Stiftskammer, wie regelmäßig zum jährlichen Abschluss des Museumsbetriebes im Oktober, allen Kunst- und Kulturfreunden das besondere zweigeteilte Erlebnis.

Der Sprecher des Förderkreises, Klaus Gruhn, hatte erneut eine gute Wahl für das seit 2008 fest etablierte herbstliche Kammerkonzert getroffen. Zu Gast war Ursula Stockhausen-Stockhorst, die im Symphonieorchester der Stadt Münster, im Philharmonischen Orchester Dortmund und im Bayreuther Festspielorchester mit der Violine ihr Können nachweist. Partner der Solistin am Klavier war der heimische Stiftskantor Martin Geiselhart. Das Programm der beiden Künstler war mit der Berceuse Op. 16, einer Art Wiegenlied, von Gabriel Fauré, der Canzone Op. 166,2 von Josef Gabriel Rheinberger und dem Präludium und der Aria aus Max Regers Suite a-Moll Op. 103a höchst anspruchsvoll. Höhepunkt jedoch waren vier Sätze aus der Sonate E-Dur, BWV 1016, des Johann Sebastian Bach. Martin Geiselhart bezeichnete diesen Vortrag als die größte Herausforderung des Abends. Das Klavier war nicht nur Stütze und Begleitung für die Violine, sondern beide Instrumente standen mit ihren Solopartien quasi in einem Widerstreit. Sehr belebend aufgrund jeweils komplizierter und schneller Notenläufe, qualitativ hervorragend umgesetzt. Die Zuhörer forderten begeistert eine Zugabe.

Während der Pause trat wieder der „Sachwalter“ der Museumsschätze in Aktion. Die Besucher spürten seine Freude an der Darstellung der Geschichte um das teure Gut. Es kann, so Gruhn, nach der Münsteraner Domschatzkammer als das würdigste und, zusammen mit den nicht ausgestellten Depot-Schätzen, größtes sakrales Museum im Umkreis bezeichnet werden.

Vorgestellt wurden die sehr wertvollen Vasa sacra. Es sind von zwei Klosterfrauen gestiftete Monstranzen aus der Zeit um 1500. In ihnen wird bei Prozessionen die Hostie (nach katholischer Vorstellung das „Allerheiligste“ oder der „Leib Christ“) erhoben. (aus: "Westfälische Nachrichten")